Projekt Rennofen - Ein historisches Projekt

 

Wir leben in einer hochtechnologisierten Welt, in der uns fast alles zur Verfügung steht. Wozu soll man also viel Zeit investieren um ein Stück Eisen selber herzustellen, wenn man im Handel besseren Stahl kaufen kann?

Für mich bedeutet etwas selber herstellen, eine Erfahrung zu machen und etwas dabei zu lernen und zu erleben. Ich versuche einen Einblick in das Leben und Arbeiten vergangener Zeiten zu erhalten.So kann ich nachvollziehen, was es für unsere Vorfahren bedeutet hat, ein brauchbares Stück Stahl in den Händen zu halten!

Weil ich selber mit Begeisterung Messer schmiede, hatte ich die Vision, ein Messer von Grund auf selber herzustellen. Die Grundlage dieses Projektes ist die Gewinnung des Eisens. Mich interessiert die ursprünglichste und einfachste Methode, mit der die Kelten in Europa vor fast dreitausend Jahren schon Eisen verhüttet haben. 

So machte ich mich also auf die Suche nach dem Rohstoff, dem Eisenerz. Nach ausführlichen Recherchen bin ich auf unglaublich spannende historische Beschreibungen gestossen: Der Eisenbergbau in der Melchsee-Frutt und Planplatten mit den Eisenbergwerken im Melchtal und im Mühletal. Die Zeitspanne der Bergwerke umfasst beinahe fünfhundert Jahre. Davon war mir vorher praktisch nichts bekannt!

Das Erz für meine Rennofenversuche holte ich an den alten Abbaustellen auf der Melchsee-Frutt bei Erzegg. Nebst technischen Details erfuhr ich viel über die Bergwerke und das Leben und Arbeiten in der damaligen Zeit. Erstaunlicherweise machte ich ähnliche Erfahrungen, wie ich es in den alten Berichten las: den so oft geschilderten Misserfolg beim Verhütten der Erze. Die Schwierigkeiten beim Weiterverarbeiten des Stahls, auf Grund von zu viel Schwefel und Phosphor im Eisen, haben sich bei mir genauso bemerkbar gemacht wie bei den Bergarbeitern im 15. Jahrhundert. Umso grösser war die Freude über den Erfolg, als das Verhütten beim dritten Ofen geklappt hat. Ich durfte die kulturhistorische Geschichte erleben. 

Und so sind nach langer Arbeit schlussendlich zwei Messer entstanden. Trotz der Freude über das Ergebnis ist mir bewusst geworden, dass ich nicht am Ende eines Projekts stehe, sondern erst am Anfang eines uralten Handwerks.

Ich möchte die alten Handwerke der Eisenverhüttung und der Schmiedekunst wieder aufleben lassen.

 

Die folgenden Bilder sind vom Rennofen am nationalen Mühlentag 2015 bei der Schlegelsäge in Giswil

Weiterverarbeitung der Luppe zu brauchbarem Stahl

 

In der Schmiede des Heimatvereins Giswil habe ich die Luppe weiterverarbeitet. Diese wird zuerst erhitzt und komprimiert. Währen des Prozesses zerbricht die Luppe in mehrere Teile, die dann wieder zusammengeschmiedet werden. Ist das Roheisen einmal zu einem Barren geschmiedet, wird dieser 6-10 Mal gefaltet und wieder auseinander geschmiedet. So entsteht ein ziemlich homogener Stahl mit einem Kohlenstoffgehalt von ca. 0.4-0,8 % Kohlenstoff. Dieser Stahl ist härtbar und geeignet für Messer und Werkzeuge.